Polly Blue Eyes

Polly Blue Eyes

“Polly Blue Eyes” ist eine deutsche Kinoproduktion aus dem Jahr 2005. Zugleich ist der dritte Spielfilm des Regisseurs Tomy Wigand. Der drehte zunächst für Fernsehserien wie “Alarm für Cobra 11″, der große Durchbruch gelang ihm dann 2003 mit “Das fliegende Klassenzimmer”, basierend auf Vorlagen von Erich Kästner. “Polly Bue Eyes” wurde in Halle und Leipzig gedreht, außerdem gibt es zwei unterschiedliche Schnittfassungen für den Film – die eine für Kinos und DVDs, die andere, die im TV ausgestrahlt wurde. Die Kinofassung ist dabei rund sechs Minuten länger.

Polly hat genug von einer kriminellen Laufbahn und will ihr Leben ordnen

polly_blue_eyesPauline Pinn (Susanne Bormann), die von allen nur Polly genannt wird, ist gerade einmal 20 Jahre alt und wird aus dem Jugendgefängnis entlassen. Dieses leicht kriminelle Verhaltensmuster wurde ihr schon von ihrer Familie mit auf den Weg gegeben, denn alle in ihrer Familie versuchen sich mehr schlecht als recht mit kleinen Gaunereien über Wasser zu halten. Doch der Jugendstrafvollzug soll für Polly eine Wende darstellen.

Sie hat genug von diesem Leben und will es stattdessen in geordnete Bahnen lenken. So macht sie auch das einzig Richtige, indem sie von zu Hause in ihre eigene kleine Wohnung zieht. In einem Fastfood-Restaurant findet sie auch einen Job, der zumindest ausreicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Hier lernt sie außerdem Stefan (Sebastian Ströbel) kennen. Die beiden kommen zusammen, dass Stefan ein Polizist ist, stört sie dabei wenig. Während Polly glaubt, alles würde sich gut entwickeln, ziehen am Horizont bereits neue dicke, schwarze Wolken auf.

Gar nicht so einfach, nicht mehr auf die schiefe Bahn zu geraten, wenn die Familie das noch unterstützt

Ronald (Matthias Schweighöfer), kurz Ronny, ist ein etwas dubioser Pommes-Buden-Besitzer, außerdem ist er auch der Freund von Pollys Schwester Susanna (Maxi Warwel). Der passt damit ganz gut in das allgemeine Bild der Familie, denn er träumt ebenfalls vom großen Geld. Dass man dafür manchmal auch etwas Verbotenes durchziehen muss, stört ihn wenig. So stößt er bei Pollys Eltern nicht auf taube Ohren. Er erzählt ihnen, dass Aluminium-Fenster für Fertighäuser das Geschäft überhaupt seien.

Selbst das fehlende Startkapital ist kein Problem, das gedenkt Ronny mit einem Überfall auf einen Getränkemarkt zu organisieren. Die Familie ist schnell überzeugt, will aber auch Polly im Boot haben. Die wiederum ist stinksauer auf Ronny, weil der eigentlich mit ihrer ehemaligen Zellengenossin Jale (Jana Pallaske) zusammen ist. Also will sie ihn mit vorgehaltener Pistole zwingen, mit Jale wenigstens Schluss zu machen und einen Abschiedsbrief zu schreiben. Unterdessen bereitet sich ihre Familie auf den Raubüberfall vor.

Ernste Probleme humorvoll verpackt

“Polly Blue Eyes” ist nicht als zu tiefes Sozialdrama zu verstehen. Das untermauert der Regisseur Tomy Wigand durch die zahlreich eingebauten Gags und dem Humor, mit dem sich der Film selbst etwas auf die Schippe nimmt. Dennoch ist er auch durchaus als ein Werk zu verstehen, das aufzeigen will, wie schwierig es für junge Erwachsene sein kann, nicht weiter auf die schiefe Bahn zu geraten, selbst wenn der Entschluss zu einem anständigen Leben fest im Raum steht. Wigand versteht es auf eine lockere Art, große aktuelle Sozialprobleme anzusprechen, ohne dabei in eine Frustration zu fallen, denn schließlich soll Kino auch Spaß bereiten. Das gelingt dem Regisseur vorzüglich.